Re-Generation

Das Prinzip der psychischen Re-Generation basiert auf den Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie im Erwachsenenalter (ab Seite 110). Der physiologische Prozess einer psychischen Re-Generation in einer schwierigen Lebensphase oder nach einem kritischen Ereignis ist keineswegs eine Kleinigkeit. 

Eine wirklich ungewohnte Sichtweise und neue Lebensweise erfordert eine Veränderung vieler neuronaler Verbindungen und die Aktivierung, vielleicht sogar Neubildung von Gehirnzellen. Ebenso müssen neue Verhaltensweisen erlernt und gelebt werden Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, sehen und beurteilen wir “plötzlich” unsere Situation mit  ganz anderen Augen. Was sich gut anhört, ist allerdings für unser Gehirn eine echte Herausforderung. 

Wodurch entsteht psychische Re-Generation?

Psychische Re-Generation ist ein komplexer Prozess, der oft in kurzer Zeit ablaufen kann. Er beginnt immer dann, wenn Menschen einsehen, dass sie mit ihren üblichen Verhaltensweisen eine kritische, belastende Situation nicht verbessern oder meistern können. Aber genau diese schmerzliche Erfahrung, dass man am Ende mit seinem Latein ist und einfach nicht mehr weiterkommt, wird häufig lange verleugnet.

Doch der Impuls zur Re-Generation kann nur beim Erleben einer Ausweglosigkeit entstehen. In diesem Moment wächst die Entschlossenheit, nicht länger leiden und daher das Unveränderbare annehmen zu wollen. Dadurch entwickeln sich im Gehirn neue Verbindungen und damit die Quelle kreativer Lösungen. Wenn der Impuls der Re-Generation geschieht, dann ergeben sich viele Schritte danach fast wie eine Kettenreaktion. Aber so heilsam dieser kleine Ruck sein kann, unterbinden wir ihn sehr lange.

Was behindert psychische Re-Generation?  

Bereits der Psychoanalytiker C. G. Jung betrachtete die Neophobie als die zentrale Angst des Menschen. Die Furcht vor Neuem ist genauso im Menschen verankert wie die Neugierde. Denn das Bewährte bietet Sicherheit und Geborgenheit. Eine wichtige Voraussetzung, um gut überleben zu können. Doch weil alles ständig in Veränderung ist, kann das Vertraute von gestern bereits heute unser Leben erschweren.

Da man umgekehrt nie genau weiß, wie das Neue, Unbekannte dann tatsächlich sein wird, halten viele Menschen lange an einer bestehenden Situation fest. Eventuelle Schwierigkeiten werden geleugnet oder schön geredet, zunächst auch mit gutem Grund. Nicht jeder kleine Windstoß, jedes Problemchen ist gravierend genug, damit man das Bewährte aufgibt, sich neu orientiert und das Risiko des Neuen eingeht. Denn Neu ist nicht automatisch besser, auch wenn uns Medien dieses Credo seit vielen Jahren vorbeten. 

Die zentrale Entscheidung: Überleben oder untergehen?   

Aber irgendwann kommt der Moment, dass die bestehende Situation und die gewohnten Rituale tatsächlich nicht mehr haltbar sind. Nur ein Neuanfang, eine Umorientierung können zur Weiterentwicklung und damit zur Sicherung der eigenen Existenz führen. Trotzdem halten viele Menschen am Bestehenden fest und hoffen oft abergläubisch an ein Wunder, damit alles bleiben kann, wie es ist.

Bereits 1998 beschrieb Spencer Johnson in seiner Fabel über die Mäusestrategie sehr treffend, wie unterschiedlich man sich in einer solchen Situation verhalten kann. Während die einen aktiv nach neuen Möglichkeiten (Käse) suchen, wenn die Vorräte aufgebraucht sind, kleben andere passiv, ja fast stur an der derzeitigen Situation fest. Sie hoffen auf irgendjemand, der alles wieder so macht, wie es war. Die wahren Überlebenskünstler beginnen stattdessen direkt nach neuen Optionen aktiv zu suchen.

In welchen Situationen findet Re-Generation statt?

Während der gesamten Lebensspanne entstehen immer wieder Phasen oder Momente, in denen eine Re-Generation notwendig ist. Grob lassen diese sich einteilen in:

  • altersbedingte Wendepunkte (Midlife, “empty nest”, Berentung etc.)
  • schlagartige Rollenverluste (durch Trennung, Kündigung, Unfall etc.)

Altersabhängige Veränderungen lassen sich prinzipiell voraussehen, auch wenn sie individuell unterschiedlich ablaufen können. Veränderungen, die stattdessen durch ein Ereignis oder einen Unfall ausgelöst werden, sind dagegen häufig nicht vorhersagbar. Im besten Fall kann man sie frühzeitig erahnen. Wenn eine psychische Re-Generation entstehen soll, führt kein Weg an der realistischen Wahrnehmung der eigenen Situation vorbei. Daher sind die geheimen Zutaten zur Re-Generation:

ERKENNTNIS, EINSICHT und MOTIVATION, neu anzufangen!

Gerne helfe ich Ihnen dabei!

Fühlen Sie sich angesprochen?